Willkommen zum Thema Bildung und Bildungssysteme
Alles was den Menschen vom Tier unterscheidet gehört zum Thema Bildung.
Whatever separates human being
from the animal it belongs to the theme education.
Dennoch wird kaum ein Thema derart vernachlässigt.
Ein Hauptproblem jeder Bildungsreform ist ohne Zweifel die Tatsache, dass wir und unser Urteilsvermögen das Produkt eines alten oder des bestehenden Bildungssystems sind.
In fast allen Diskussionen über das Bildungsproblem hört man, dass nicht die Politik schuld ist, auch nicht die Minister, schon gar nicht das Bildungssystem oder die Schule, oder gar die Lehrer, schuld sind die Eltern, sagt man übereinstimmend, und die schlechten Zensuren bekommen die Schüler. Daran ist mehr richtig als es scheint, schuld sind in der tat die Produkte des Bildungssystens, nämlich die Menschen in der Politik, im Bildungssystem und in der Schule. Es ist ein Teufelskreis.
29. Mai, 2002
Ein Religionsbuch
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Sie Beobachtungen und Erlebnisse: in Schule und Universität, in Medien, Beruf
und Politik, in Familie und Nachbarschaft, bei Freundschaften und
Feindschaften, Beispiele von Achtung und Verachtung, von Sieg und Niederlage,
bei Hilfe und Betrug;
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11. September 2001. aktualisiert 14. Sept. |
Warum ist eine Diskussion über Bildung schwierig? |
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Afrikanisches Model:deutsch,französisch, englisch |
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Ein
altes anachronistisches Bildungssystem, in der Hand der Bundeswehr?
Vorwort zum folgenden Artikel: Bildung.
Mir ist klar, daß der unten gelobte
Scharping mit bestem Gewissen behaupten würde, das an ihm Gelobte in der
folgenden Interpretation weder gesagt noch gemeint noch auch nur gedacht zu
haben, nämlich aus der Bundeswehr die beste Hochschule unserer Zeit machen zu
wollen.
Allerdings könnte einem Eingeweihten der Szene privater Bildungsunternehmen,
die in der Regel überteuert verkaufen, was man im Internet und in jeder
Bibliothek fast gratis bekommen kann, in der Tat der Optimismus fragwürdig
scheinen, ob sie es besser machen würden, als es unsere traditionellen
Hochschulen tun. Pädagogische Konzepte werden auch dort noch kaum
angepriesen und auch wohl kaum ausprobiert.
Schöne Ansätze dazu aber gibt es. Und man findet bereits auf dem
Markt der Lernsoftware interessante Versuche von Firmen, die auch die
Lernprogramme der virtuellen Flugmaschinen aber auch der Millionen Spiel- und
Killerautomaten schreiben, an denen Jugendliche Milliarden ausgeben, um
Reaktionsschnelle zu üben.
Hier würde ein Pessimist behaupten, daß dort erst das Angebot diese Nachfrage
erzeugt, während tatsächlich die Nachfrage nach Information und Bildung
ungeheuer ist, wo und wie immer dieses ohne das monströse, aufgeblähte
Schreckgespenst der antiquierten Schulinstrumente von Drohung, Erpressung,
Zwang, Demütigung, Bevormundung, Erniedrigung u.s.w. angeboten wird.
Und es ist keineswegs utopisch, einen Lehrauftrag auszuschreiben, der als Leistung
der Schule das Abitur samt Studium nebenberuflich in der halben Zeit oder
in 30% der Zeit zu halben Kosten schafft.
Die deutsche Bildungsaristokratie
Ein Lob für unseren Militärminister.
Was an Ideal und Idealismus bei den Enzyklopädisten Zugang zum Wissen der Menschheit für jedermann bedeutete, ( Siehe den Artikel „Von der Enzyklopädie zum Internet.") wurde in Deutschland unter wilhelminischer Kaiservorstellung zum Machtinstrument und damit zu einer Untertansproduktionsanstalt. Wenn auch die militärischen Formen etwas dem Zivilen angepaßt wurde, so ist dennoch die Vorstellung von Bildung wie entsprechend auch die Struktur der Bildungsinstitutionen im Sinne von Oben und Unten als Wert und Unwert von göttlich gut bis dumm und böse auch als Lohn und Strafe, Macht und Abhängigkeit als Erfolg und Mißerfolg, als Gewinner und Verlierer noch durchgängig wilhelminisch aristokratisch bis archaisch einerseits, und andererseits jener wilhelminischen Zeit entsprechend für eine Agrarbevölkerung konzipiert, in der man als Kind bis zum 14 Lebensjahr alles lernen konnte und mußte, was man fürs Leben brauchte. Daran hat sich im Prinzip nichts geändert, wenn man auch die Schulzeit etwas verlängerte und sich der Lehrstoff veränderte und wenn inzwischen dort Demokratie gelehrt aber in der Grundstruktur das Gegenteil praktiziert wird.
Im Überblick:
1. Kann
Lehrstoff und Schule demokratisch sein?
2. Ist unser Lehrstoff, - wie das Einmaleins -
Konvention, demokratischer Konsens, ist es ein göttliches - oder noch mehr -
ein Naturgesetz, dem auch Gott noch unterworfen ist? Wäre eine demokratische
Abstimmung darüber, ob 5 mal 5 = 25 ist, tatsächlich eine demokratische
Abstimmung, eine Reifeprüfung des Einzelnen, eine Reifeprüfung der
Allgemeinheit oder erkenntnis- und wissenschaftstheoretische
Grundlagenforschung? Schlimmer noch als keine Antwort ist die undifferenzierte
Unterwerfung, unter etwas, „daß nun mal so ist", weil sich dahinter ein
archaisches Prinzip verbirgt, dem mehr an Mythos anhängt als jeder Tradition,
gleichgültig ob man sich oder einen anderen dem unterwirft. Denn dies ist das
archaische Unterwerfungsprinzip, das auch über Leichen geht und ist von uns als
menschliche Handlung zu verantworten.
3. Mythos und die anstehende Entmythologisierung
von Gedächtnis, Denkvermögen und Fertigkeit.
4. Ist die menschliche Handlung als Anwendung von
Naturgesetzen nun Magie, Technik oder Broterwerb bzw Lebenserhalt.
5. Man sollte nicht meinen, daß all solche Fragen,
Antworten und die geforderten Reformen ganz real hinter dem stehen, was
Abc-Schützen lernen müssen, wie es einst ja auch ganz kriegerisch noch hieß, -
womöglich demnächst aber dann auch vor oder hinter den Abc-Waffen - und was das
Kind als auch eigenes Sein oder Nicht-eigenes-Sein oder als Haben oder
Nicht-Haben, Gewinn oder Mißerfolg bereits in der Grundschule erwartet.
Erkennen,
Urteilen, Handeln, Lehren und Lernen sind natürlich als System und Automatismus
unserer Bildungseinrichtungen im Kontext mit unserer Geschichte, mit Religion,
Kultur, Politik, Sprache, Beruf und Wissenschaft zu sehen, und ist sehr
vielschichtig, so daß die Fokussierung nur auf die uralten archaischen Grundmauern
in all unserem Tun leicht zu einem unglaubwürdigen Pamphlet mißlingen kann und
was vielleicht dann auch eine ebenso eng strukturierte Reaktion, sei es als
Ablehnung, als Vorurteil oder als Aktionsprämisse hervorrufen könnte. Aber die
andere Möglichkeit, die reine Lernpsychologie, auf die man alternativ zu den
hier sicher einseitigen Argumenten als Anwalt notwendiger Veränderungen meist
zu setzen pflegt, kann eben auch nicht - oder nur theoretisch - von irgendeinem
Außerhalb angewandt werden oder erfolgen, außerhalb von Religion, Kultur,
Politik, Sprache und Beruf und steht deshalb immer ebenfalls ganz in diesem
Kontext - ist aber dennoch mein zusätzlicher Anwalt und Komplementär.
Zudem muß ich an dieser Stelle den wohl
interessantesten und vielleicht wichtigsten Aspekt allgemeiner Bildung
scheinbar ganz ignorieren, er ist im Folgenden dennoch beiläufig überall
spürbar, wenn auch ungenannt, daß nämlich die allgemeine Bildung auch die
Gesellschaft, die Sprache, die Religion, Kultur, die Berufsstruktur, die
Wissenschaften und selbst die politischen Verhältnisse verändert, und zwar über
bewußt angelegte Zielsetzung jeweiliger Bildungsstruktur hinaus, wie wir an den
einst sozialistischen Ländern im Osten sehen konnten. Daß die dort
dogmatisierten Strukturen so schnell veralteten, lag ja nicht daran, daß die
ursprünglichen Vorstellungen von notwendiger Veränderung des vorletzten
Jahrhunderts im Kontext der damaligen Zeit unbegründet und falsch waren, als
mehr als 90% der Menschen im Osten oder überhaupt der Menschheit noch
Analphabeten waren und von den Gebildeten entsprechend ausgenutzt, verachtet
und behandelt wurden, was sich als Prämisse damaliger Konzeption von 1850 bzw.
1917 eben durch die erfolgte allgemeine Bildung veränderte, wozu dann auch das Entstehen
ganz neuer Möglichkeiten, neuer Erwartungen und Rechte gehörte, von denen Marx
und Lenin nicht einmal träumten, was man aber nicht als Versagen sondern als
Erfolg werten muß. Es ist eben nur keine Bildungszielsetzung, was stagniert.
Aber wie in vielen asozialen Alkoholikerfamilien, die man sich als
schreckliches Beispiel vor Augen halten soll, wo die Eltern ihre Kinder daran
hindern, sich zu bilden und zu emanzipieren, weil sie fürchten müssen, Macht,
Autorität und Achtung zu verlieren, so gibt es natürlich auch noch einige
Staaten - wie einst die Kolonialmächte - die aus dem gleichen Grunde Bildung
und Bildungsreform fürchten. Und nicht anders gibt es natürlich auch bei uns
eine starke Lobby, die von den Mißständen profitieren und Veränderungen zurecht
fürchten müssen. Diese werde ich nicht nennen oder als Schwierigkeit an den
Pranger stellen, weil dieses nur ärgerlich ist und hier zu weit führt.
Aber auch den wichtigsten Aspekt jeder Bildung
muß ich unausgeführt lassen, und zwar nicht deswegen, weil ich ihn übersehe
oder mißachte, sondern, weil er weniger praktisch und organisatorisch und mehr
als Ideal, Ziel und Bestimmung des Menschen und der Menschheit eine ganz andere
Dimension von Argumentation und Umfang weil Grundsätzlichkeit erfordert. Wohin
entwickelt sich die Menschheit? Man findet verbreitet statt Hoffnung auf
Veränderung eher Angst vor solcher.
Die neue Initiative vom Generalinspekteur der Bundeswehr, Rudolf Scharping, die Ausbildung nicht nur als Dienstleistung statt als Machtausübung zu verstehen, sondern sogar solche Umkehrung auch institutionell zu realisieren, indem z.B. Hunderte von Firmen beauftragt werden, die einzelnen Ausbildungssektoren zu übernehmen, ist ein vorbildlicher Ansatz von Versachlichung, wenn es nicht dabei bleibt. Ähnliches muß aber auch bezüglich aller anderen Schulen, Hochschulen und Universitäten - und natürlich auch Betriebe - ganz selbstverständlich werden, wozu das lahme, längst weltfremde, statische Lehrmonopol "Alter Schule" zum Müll der Geschichte gehört, wie der Rohrstock. Pädagogisch gute und bessere Lernprogramme der Software müssen genauso konkurrieren wie Lehrsysteme verschiedener Firmen und Personen - und vielleicht natürlich auch wie verschiedene Lehrtraditionen, die sich in alten Kulturen herausgebildet und bewährt haben. Diese eher institutionelle Reform sollte erleuchten, als was anderes Ausbildung sonst oder allgemein noch immer verstanden wird.
Bevor
wir aber diesen Ansatz mit weiteren Argumenten festigen, schon allein, um alte,
vertraute, aber überholte Bildungsvorstellungen in Frage zu stellen, um
vielleicht zumindest einen Aspekt eines modernen Bildungsideals umreißen zu
können, müßten wir natürlich auch grundsätzlich zu klären versuchen, was
Lernpsychologie, Pädagogik und Lernsoftware leisten kann und was nicht, was
aber wohl teils aufgrund von Rückständigkeit bzw. merkwürdiger Traditionen und
aufgrund merkwürdiger Befangenheit in alten Vorstellungen noch gar nicht
möglich ist und wegen der eigentlich erst jetzt oder vielleicht erst in Zukunft
sich ergebenden Möglichkeiten noch kaum zu überblicken ist?
Um die Gegner jeder oder solcher Entwicklung,
die ohne Zweifel zu einer Verallgemeinerung oder zur Liberalisierung von Lehr-
und Lern- und Berufskompetenzen und Beseitigung von Lehrmonopolen führen muß,
zu beruhigen, aber auch, um keine unerfüllbaren Erwartungen und Illusionen zu
wecken, sei vorweg festgestellt und zugestanden, daß auch das schnellste
Lernprogramm, mit dem ich bereits heute die komplizierteste Rechnungen und Kalkulationen
erledigen kann und mit dem ich in vielleicht 3 Monaten eine Sprache verstehen,
sprechen und schreiben kann, - was es längst gibt, - , und daß ich auch mit dem
besten Übersetzungsprogramm, wodurch sich vielleicht das Erlernen anderer
Sprachen für viele überhaupt erübrigen wird, nicht zugleich die Reife und
Weisheit vermitteln könnte, z.B. eine Brücke zu bauen oder z.B. Shakespeare
oder Hölderlin dann auch zu verstehen oder ein Werk wie Goethes Faust zu
schreiben. Selbst das berechtigte und oft angeführte Argument für Reformen, daß
Genies wie Hermann Hesse, Thomas Mann, Heinrich Böll, Bert Brecht und selbst
Albert Einstein - und eigentlich die meisten der großen Geister - eher trotz
und meist sogar gegen unser Bildungssystem und meist außerhalb von ihm sich
entwickelten, sollte uns nicht verstellen, daß die guten, alten Reifeprüfungen,
Gesellenbrief, Meisterbrief, Promotion, Habilitation und sonstige Titel bisher
eine nützliche gesellschaftliche Funktion darstellen, wodurch sich manches
vereinfacht und regelt, wenn es um wichtige Handlungs- und
Entscheidungskompetenzen geht, wenn damit auch die Physiognomie und Bedeutung
eines Titels oder Berufs keineswegs verstanden ist, wodurch mit einer
Zertifikatsübergabe jemand von einer Stunde zu anderen dann ein anderer Mensch
wird oder zu werden scheint, was dann nicht nur in der Aufwertung bestimmter
Menschen durch die entsprechenden Abwertung anderer Menschen ein weitgehend
unverstandenes Phänomen von Geltung, von merkwürdigen Richtigkeits- bis
Wahrheitskriterien darstellt, die ursprünglichen und früher berechtigten, heute
aber anachronistischen hierarchischen Machtverhältnissen entstammen, die heute
eher wie die alten überholten Adelstitel und Uniformen getragen werden, als daß
diese mit tatsächlichem Wert, tatsächlicher Kompetenz, Fähigkeit oder Leistung
etwas zu tun hätten, wobei die Waage, wie weit der Wert durch die allgemeine
Wertung der Tradition, oder ob die allgemeine Wertung durch einen tatsächlichen
Wert bestimmt wird, neu geeicht werden muß. Denn ob und wieweit man sich
einfach über solche Geltung hinwegsetzen kann und soll und nur den meßbaren
Gebrauchswert eines Menschen akzeptieren soll, muß dabei in dem Sinne
hinterfragt werden, daß der Mensch nun mal so ist und oft erst in solcher
Anerkennung d.h. gewissermaßen, durch den eigenen Glauben an sich und den der
anderen an ihn seine eigentliche Souveränität, Sicherheit und Kompetenz
erwirbt, sei es auch noch so lächerlich, ob dieses dadurch geschieht, daß sich
ein afrikanischer Medizinmann anmalt und sich mit Knochen und sonst was behängt
und eine große fürchterliche Maske aufsetzt, ob sich ein Polizist erst durch
die Uniform als Autorität empfinden oder von anderen empfunden und geachtet
wird, oder ob dieses durch ein Zertifikat mit der feierlichen Übergabe und mit
einer Festrede geschieht. Dies alles ist nicht einfach wegzudenken noch als
Sinn oder Unsinn aus dem Bildungsgedanken auszuklammern.
Da sich in aller Welt und nicht in Deutschland
und Europa diese beiden eigentlich wesensfremden Kriterien in heute oft
lächerlicher Weise überschneiden, was aber noch an Beispielen anzuführen ist,
werden sich auch diese Kompetenzkriterien ändern - zumindest aber weiter
versachlichen müssen. Was z.B. früher eher Zunft- oder Geheimwissen war oder
noch früher die Magie von Schamanen, und was erst nach hartem, unterwürfigem
und oft rituellem Dienen und nach vielen Lehrjahren der Unterdrückung,
Ausbeutung, Erniedrigung und vielen Beleidigungen enthüllt wurde, kann heute
eine Maschine oft besser und schneller und steht als überall abrufbare
Information in der Gebrauchsanweisung oder jedem Fachbuch und bald hoffentlich
auch in deutscher Sprache im Internet, wobei das reine Verstehen oft in 20
Minuten zu leisten ist und nicht erst vieler Jahre Knechtschaft bedarf.
Dennoch wissen wir natürlich, daß ein
entsprechender Facharbeiter, Meister, Doktor, Mediziner, Professor die seinen
Beruf betreffende Gebrauchsanweisung irgend eines Instruments z.B. anders und
kompetenter liest und anwendet, als der Laie, wobei wir uns in der Praxis auf
die berufliche Kontexterfahrung und das oft vielschichtige Hintergrundwissen
des Fachmanns verlassen wollen und meist sicher auch können. Hier soll man
nicht das Kind voreilig mit dem Bade ausschütten, wenn uns die Hochachtung vor
dem graduierten Fachmann jedoch auch nicht hindern sollte, die uralten
Strukturen zu überdenken.
So wird z.B. ein Patient in wenigen Jahren mit
einem Mausklick genauere, aktuellere und mehr Informationen über seine
Krankheit besitzen oder bekommen können, als der Arzt, den er aufsuchen muß,
der bei seiner Diagnose vieles nur erraten kann, was der Patient am eigenen
Leibe spürt, erlebt und oft Zeit seines Lebens an sich oder als sich, d.h. als
sein Selbst kennt; und es wäre lächerlich, bestehende Erfahrungen über den Menschen
und seine Krankheiten wie einen esoterischen Hokuspokus weiter hinter einer
Geheimsprache zu verstecken, und es wäre lächerlich und regelrecht kindisch und
unverantwortlich, diese ohnehin unvermeidliche Entwicklung als
Kompetenzbeschädigung der Ärzteinnung aufzufassen, zu behindern und lächerlich
zu machen, wenn der betroffene Mensch sich selbst informiert und selbständig
denkt und eigentlich ja immer schon besser informiert zum Arzt kommt, als es
dieser naturgemäß sein kann und sich der traditionellen Bevormundung entzieht.
Aber in unserem alten Bildungsgefüge, das zugleich unsere Gesellschafts- und Wertstruktur darstellt, - zumindest bestimmt, - mischen sich bis heute so unverstanden, wie zu Zeiten der Schamanen und Alchimisten die chemischen Strukturen der Heiltinkturen unverstanden waren, in unserem Berufsbild mit allen Kenntnissen und Fertigkeiten zugleich Mythos, Berufsethos, Identität, Egoismen, Ehrgeiz, Eitelkeit, Eifersucht, Herrscherrechte und Herrscherfähigkeiten und -bedürfnisse wie Unterwerfungspflichten und Unterwerfungsfähigkeiten und -bedürfnisse, aber eben auch Gelderwerb, Auskommen, Basis für Familienstrukturen und was sonst noch an üblen und wertvollen Attributen mit dem Ritus von Zeugnissen und Examina, die in dem komplizierten Wirrwarr des sozialen Gefüges und der menschlichen Handlung überhaupt einerseits mal so etwas wie quasi objektive Qualitäts- verbunden mit entsprechenden Machtinsignien für Menschen war und gewissermaßen den Staatsautomatismus darstellten, wie es einst hohe Namen, Orden, Uniformen, Trachten, Schwert und Degen kenntlich machten und was bis heute ein Großteil unseres Wertgefüges ausmacht, das sich unmittelbar mit der „Wahrheit" des Einmaleins unserer Grundschule verknüpft, was es alle zu überdenken und zu verstehen gilt, was aber unmittelbar mit dem Lehrstoff gar nichts zu tun hat und dennoch in einer Abhängigkeit steht oder als zu stehen scheint gelehrt wird, z.B. welche Wertigkeit der Kohlenstoff besitzt, und die aber andererseits noch immer ein Abbild sind oder beinhalten, nämlich der ursprünglichen Aristokratie und gesellschaftlichen Rangordnung früherer Zeiten. Dieses betrifft bei weitem nicht nur unsere Berufsstruktur, sondern unser Rechts- und Staatswesen überhaupt wie eben nicht zuletzt unsere Bildungsinstitutionen und Regeln, die nicht nur sich selbst reproduzierendes Resultat solcher Berufsstrukturen sind, was die Schulen, Hochschulen und Universitäten betrifft, sondern ja auch wieder und immer weiter die alten Strukturen von Rechts- und Staatswesen reproduzieren und bestimmen.
Sicher liegt hier der Grund für die zögerlichen Reformen im Bildungswesen.
Aber
man kann auch nicht einfach von einer Korrelation von Gesellschaftsstruktur und
Bildungssystem sprechen, auch wenn es Korrelation natürlich gibt, aber ganz
sicher hat Bildung, Wissen und Denken für das, was der Mensch tut und wie er
seine Welt gestaltet, ein stärkeres Gewicht als umgekehrt die Gesellschaft
dieses Denken bestimmt, weswegen es ganz notwendig und unaufhaltsam eine
Entwicklung gibt, wobei man dennoch beides zugleich, nämlich Bildungssystem und
Gesellschaft, durchaus auch wie eine Zwangsjacke sehen darf und sogar muß, wenn
man beides als zwei statische Seiten der Außenwelt des Subjekts betrachtet, die
in China aus einem Menschen einen Chinesen machen und in Deutschland einen
Deutschen, was denn auch in der Vergangenheit sinnvoll war, als es wegen der
Unmenschlichkeit der Menschen und Barbaren (besonders außerhalb der jeweiligen
Gemeinschaft) auch ratsam war, den Hort der Eltern, der Sippe und der eigenen
Kultur, wo man akzeptiert wurde und Rechte hatte, und die man kannte, nicht zu
verlassen, - sinnvoll, auch wenn man selbst barbarisch mit jeweils Fremden
nicht anders barbarisch umging.
Zur Zwangsjacke wird Gesellschaft und
Bildungssystem, wenn beide sich z.B. anschicken, das Individuum wie einen
unwissenden Analphabeten zu behandeln, wenn es bereits eine Allgemeinbildung
hat oder mehr noch, wenn es mehr an Einsicht und Vernunft besitzt, als jene
anonymen Automatismen der alten Konventionen (wie es aber immer sein wird), die
sich eben durch bezahlte Machtinstitutionen aufrechterhalten, oder durch Stil
und Inhalt z.B. des Unterrichts oder der Lehrbücher in den Schulen oder, wenn
durch ein zu kleinkariertes, rückständiges Menschenbild seitens der Presse die
hervorgebrachte Information eher verblödet oder abstößt, beleidigt, verärgert
und innerlich abgelehnt wird, - oder, was noch schlimmer ist, wenn dabei jeder
Einzelne der Allgemeinheit unter dem Vorzeichen von Meute oder Herde das
Zutrauen zur zarten Pflanze der Vernunft bewußt aufgibt und gewissermaßen Amok
läuft und das Idiotische bejaht, wobei jede Institution, ob absolutistisch,
aristokratisch oder demokratisch die ganz normale Tendenz hat, sich eher den
Menschen passend zu machen, wie ich es in meinem „Mail-Art-Museum zur billigen
Erstarrnis" mit dem aufgestellten Prokrustes-Bett demonstriere, als daß
sich die Institution von selbst dem Menschen anpaßt.
Der neue Denkansatz, wie ihn unser neues
Jahrtausend nun ermöglicht und erfordert, setzt eine Definition und den Vorsatz
der ständigen, permanenten Überwindung des Teufelskreises voraus, und diese
Überwindung ist ein vielschichtiger Prozess, der natürlich nicht erst mit
unserem Verteidigungsminister Rudolf Scharping begann, sondern in China, Indien,
Ägypten und Persien vor etwa 6000 bis 5000 Jahren damit ansetzte, größere
Volksmengen auch verschiedener Rassen, Sprachen und Religionen unter einen Hut
bringen zu müssen. Im Gegenteil würde Rudolf Scharping, wenn ihm die Tragweite
seiner Gedanken bewußt wäre, vor Alpträume nicht mehr schlafen können, weil er
sich von seinen alten Lehrern und Professoren mit ihren jeweiligen Rohrstöcken
verfolgt fühlte. Denn was Scharping ganz vorbildlich für die Bundeswehr fordert
und strukturell auch realisieren will, was ihm auch gelingen möge, bedeutet auf
die normale Gesellschaft und ihr Bildungssystem übertragen nichts anderes, als
daß ein Bildungsminister z.B. eine Privatfirma an der Ecke beauftragt, einer
Schule oder Universität und ihren Lehrkräften und Studenten beizubringen, wie
man einen Lehrstoff einem Menschen in einem bestimmten Alter am besten und am
schnellsten beibringt, oder diese beauftragt, den Unterricht selbst zu
übernehmen.
Dieses
ist ein Schritt hinaus über die Freiheits- und Emanzipationsidee der Aufklärung
und der Enzyklopädisten, daß das Subjekt eben nicht mehr Eigentum, Untertan,
Objekt oder gar Produkt von Gesellschaftsstruktur und deren Bildungssystem sei,
wie es zur Zeit der Leibeigenschaft selbstverständlich schien, und wie es auch
innerhalb der Aufklärung regelrecht gepredigt und dann auch geglaubt wurde, als
unsere heutigen Schulen samt ihrer Struktur entworfen und gegründet wurden,
sondern daß unter dem Vorzeichen der Demokratie und eines Bewußtseins der
grundsätzlichen Gleichwertigkeit aller Menschen, dieser Mensch nun auch endlich
das bewußt und mündig handelnde Subjekt gegenüber den Instrumenten von Staat
und Bildungssystem und damit Beherrscher und Beherrscherin auch dieser
Instrumente sein muß, bzw. werden soll, und zwar auch als bewußtes Ideal und
Ziel des Staates und jeder Erziehung und Bildung.
Das System ist das Instrument des Menschen und
nicht umgekehrt der Mensch das Instrument und Objekt des Systems, was auch für
jede Maschine gilt.
Dies
bedeutet als neue oder bessere Disposition des Lernens selbst beim gleichen
Lehrstoff Selbstbestimmung statt Fremdbestimmung mit einem entsprechend neuen
Verhältnis auch zum Mitmenschen und seiner jeweiligen Bildung; was dann in der
Konsequenz heißt, daß jemand selbst, und für einen selbst jemand anderes nicht
mehr katholisch, protestantisch, Moslem, Hindu, Kommunist, Hexe, Schamane,
Demokrat, Faschist, Elektriker, Dichter, Physiker u.s.w. ist, weil er dazu
gemacht wurde oder sich infizierte wie mit einer körperlichen Mißbildung,
Krankheit oder Zauberkraft, den man nur noch durch Verbrennen, Totschlagen,
Einsperren, Bestechen u.s.w. verneinen, ablehnen oder widerlegen kann, sondern
wonach Wissen, Weisheit, Bildung, Beruf oder Überzeugung etwas ist, das man hat
und dessen man Herr ist, und das man sich ohne tausend Hürden, Riten, Verbote,
Beziehungen, Schwierigkeiten u.s.w. zulegen kann wie ein Auto oder einen
Führerschein, oder wie einen Computer samt Lernprogramm. Theologisch heißt
dies, daß der Zugang zu jeder Erkenntnis und selbst zu Gott für jeden offen ist
und von keiner Institution, und nicht von formalen Bedingungen wie Opfer,
Riten, irgendeinem Hokuspokus, von einer bestimmten Geburt oder von der
Zustimmung und Macht anderer Menschen abhängig und damit fremdbestimmt ist oder
durch die Erkenntnis abhängig wird.
Bereits diesen Unterschied von Sein und Haben
einer geistigen Disposition zu definieren, bedeutete ein neues Verhältnis zu
sich und anderen Menschen, und bedeutet eine heute falsche und lächerliche
Vorstellung vom Menschen aufzugeben, auch wenn man die falsche als einst
brauchbare und nützliche Disposition zu verstehen sucht, als man auch sich
selbst nicht anders verstand und die eigene als die einzig mögliche Denkbarkeit
wie ein Schicksal verstand, verfluchte oder verteidigte und hütete.
Derart vereinfacht und verkürzt bieten sich
allerdings Mißverständnisse zuhauf an. Was ich plausibel und deutlich machen
will, ist ja die Absurdität, von der wir uns zu emanzipieren längst begonnen
haben, die man sich vorstellen kann, als bekäme das Blut durch den bestandenen
Führerschein eine andere Farbe oder bedeute so etwas wie einen neuen
Körperteil.
Es ist aber auch das schlechte Bild, das der
Mensch von sich selbst und anderen hat, das aber eben gerade durch solche
provinzielle Vorstellung von einer eben ungeistigen weil institutionellen,
mechanischen, biologischen, sippenhafte u.s.w. Fremdbestimmung herrührt, und
nicht nur die Angst vor dem Verlust eigener Privilegien, wodurch solche
Freiheit des Geistes und des Menschen schon immer als eine Profanisierung,
Trivialisierung und quasi Entheiligung beruflicher bzw. gesellschaftlicher
Qualifikation und Kompetenz gefürchtet und behindert wurde. In der Tat waren
wohl die Scharlatane immer die ersten freien Geister, deren Scharlatanerie aber
eben darin bestand, solche freigewählte, quasi gestohlene, einfach genommene
Kompetenz oder Köpenikade, im alten Sinne der alten Konvention zu benutzen oder
auszugeben, und eben nicht, wie Eulenspiegel, den alten lächerlichen
Standesdünkel als solchen zu entlarven.
Es
ist wohl genau diese Schwierigkeit einer veränderten und sich verändernden
Situation, weswegen wir auch in der Provinz Deutschland noch immer in der
mißlichen Situation sind, daß Kritik am Staat einfach bestritten und als
Staatsfeindlichkeit verfolgt wird und daß ein Versagen z.B. des Bildungssystems
den Schülern als schlechte Noten angekreidet wird, wodurch sich Reformen und
Entwicklung natürlich nicht nur verzögert, sondern wodurch gerade die Mißstände
unserer mit falschem Mythos beladenen Lehr- und Prüfungsordnung nun zur
hinderlichen Zwangsjacke werden.
Ich weiß nicht, ob es lernpsychologische
Statistiken und Untersuchungen darüber gibt, ob die Verneinung der eigenen
Sprache durch einen selbst eine günstige Voraussetzung ist, eine andere Sprache
zu lernen. Aber lernpsychologisch einsichtig und plausibel ist jedenfalls, daß
solche Verneinung, Ablehnung oder Mißachtung der eigenen Sprache durch den
vorgesetzten Lehrenden, wenn sie sich unterschwellig in jenem anachronistischen
Sinne mit der Ablehnung auch des lernenden Menschen verbindet, ein Lern- und
Zugangshindernis darstellt.
Nicht zuletzt aus solcher fehlenden Einsicht und
ethischen Einstellung ist es z.B. den Schulen und Universitäten in 40 Jahren
nicht gelungen, den hier in Deutschland lebenden Ausländern, Kindern wie
Erwachsenen, die deutsche Sprache nahezubringen, ganz abgesehen von anderer
Allgemeinbildung, was nichts weniger als geistige Verstümmelung und
Körperverletzung für die Betroffenen und deren Familie und nicht zuletzt
Schaden auch für die ganze Gesellschaft bedeutet, wonach man dann den
Ausländern die Schuld gibt und wobei die üblen Folgen für weltweite Beziehungen
und Ansehen nicht einmal genannt sind. Aber auch deutschen Kindern, die ihre
Muttersprache gottlob vor der Schule lernten, wird nicht zuletzt durch die
Fehlleistung aufgrund unverstandener, anachronistischer Lehrdisposition, die
sich dann durch entsprechenden Standesdünkel vermittelt, die Zeit mit
entsprechend schlechtem Unterricht gestohlen, in dem sie beleidigt, erniedrigt,
bevormundet und am Ende mit schlechten Noten noch bestraft werden, und dann
auch nach 12 Jahren kaum einen vernünftigen Brief schreiben können, obwohl die
Bibliotheken voll sind mit Vorschlägen, Untersuchungen und Lösungen, den
Lernvorgang besser zu verstehen und zu nutzen und an allen Enden der Welt
Ansätze zu neuen Versuchen gemacht wurden und vorgeschlagen werden.
Dennoch ist mit der Alternative als Ideal zwar ein Ziel recht eindeutig formuliert und für alle Menschen auf der Welt, gleich welcher Religion, Kultur, Sprache, Rasse, Bildungsgrad und Intelligenz gleichsam Wunsch, Bestreben und die Voraussetzung für ein Leben, nicht als unmündiger und ungültiger Idiot und Provinzler dazustehen, aber der tiefere Hintergrund sowohl des Zieles, mit dem Denken und Wissen, das man hat, nicht nur in einem würdigen Verhältnis zu der Allgemeinheit zu stehen, was keineswegs Übereinstimmung bedeuten muß, aber immerhin doch Bestimmbarkeit und Selbstbestimmbarkeit - und zwar in und zur Welt genauso wie auch in und zu sich selbst, ist damit noch keineswegs verstanden. Denn was sich hier als Zwangsjacke der Entwicklung und auch der eigentlichen Bildung und Emanzipation entgegenstellt, wäre mit der oben umschriebenen Entmythologisierung und sinnvolleren Nutzung von Gedächtnis, Denkvermögen und Erlangung von Fertigkeiten, wie man die Übernahme der Selbstbestimmung und wie man solche neue Mündigkeit als Freiheit in einer globalisierten Welt umschreiben könnte, das eigentlich Ziel und Thema jeder Bildung, nämlich der Anwendungsbereich ganz übersehen. Und dies ist ja nicht nur der Lehrstoff selbst, der heute gottlob in aller Welt mehr oder weniger richtig, objektiv und übereinstimmend in den Schulbüchern abgedruckt ist und an Richtigkeit in allen Bibliotheken und hoffentlich bald überall auch im Internet nachzuprüfen ist, sondern liegt in diesen unausgesprochenen Inhalten quasi hinter all unserem Schulwissen, die einerseits unseren Verstand hindern, den Lehrstoff zu akzeptieren und im Gedächtnis zu behalten, und die - nicht mal als böse Absicht und auch kaum bewußt - aber als das eigentlich Wichtige vermittelt werden und in der Tat tiefste Provinz längst vergangener Jahrtausende darstellen und oft nichts weniger als lächerlich und deswegen auch hinderlich sind und sich mit der Struktur unserer Gesellschaft genauso wie mit der Struktur von Schule und Universität vermitteln und damit unsere Wirklichkeit darstellen, wie sie nun mal ist und in der wir zurechtkommen wollen und müssen, gerade in der gegenwärtigen Umbruchszeit fast aller Werte.
Eigentlich müßte ich hier auf die philosophische Tiefenproblematik einer mitgeteilten Schulweisheit eingehen, was jetzt hier jedoch zu weit führt, was für einen normalen Pädagogen vielleicht auch zu kompliziert wäre und vielleicht den Leser eher verwirrt und vom Weiterlesen abhält, die in dem Verhältnis eines Gedankens zu seiner Formulierung liegt, - (Hier kann ich nur verweisen auf die Arbeiten von Gerold Prauss und die Überlegungen von Gottlob Frege.). Ich will dieses mit einigen Beispielen vereinfachen. Wir sollten uns klar sein, daß solche Formulierung auch darin besteht, in welcher Weise ein Unterricht stattfindet und auf welchen Abschluß und Erfolg er hinwill. Diese Weise ist in jeder Sprache und Kultur eine Konvention, die sich über die Gesellschaft auf die Schule und von dieser auf den Pädagogen und über diesen wiederum auf die Schüler überträgt und mit dem eigentlichen Lehrstoff gar nichts zu tun hat.
Ein
Beispiel aus der Zeit, als die Soldaten und Offiziere des 2. Weltkriegs
gebildet wurden, wie es hoffentlich heute nirgendwo in der Welt mehr vorkommt,
das ich am eigenen Leibe aber noch erfahren mußte, soll den Teufelskreis
verdeutlichen, der durch eine Zwangsjacke zur Zwangsjacke wird. Ich bekam als
Kind vielleicht 20 Mal oder mehr eine Ohrfeige, d.h. einen Schlag ins Gesicht,
wenn ich das Wort „gesamt" falsch, d.h. mit zwei M schrieb. Was ich dabei
lernte und was mir dabei ganz ungewollt und quasi nebenbei eingebleut wurde,
war denn auch etwas ganz anderes, als jener schlechte Pädagoge im Sinn hatte,
nämlich, daß z.B. derjenige, der etwas richtig weiß, denjenigen schlagen darf,
der es nicht weiß, und daß die Richtigkeit und das Recht zu schlagen durch das
Lehrerexamen bzw. durch die höhere Lehrerposition legitimiert wird. Ganz
abgesehen davon steckte unterschwellig jedoch noch die viel schlimmere
Information hinter der Prügel, daß nämlich ganz umgekehrt derjenige Recht hat,
der stärker ist und auch institutionell an der Macht ist, was mir, dem
hilflosen und schwachen Kind, demonstriert wurde. Obwohl ich nun nach 60 Jahren
noch immer, wenn ich müde bin, auch heute noch unsicher bin, ob ich
„gesamt" nun einem oder zwei M schreiben soll und von kindauf nur weiß und
gelernt habe, daß mit diesem Wort ein eigentlich bis heute ungelöstes Problem
auf mich zukommt, und daß ich damals wie heute am liebsten dieser Sprache
davonlaufen würde, wenn ich nicht in jeder anderen Sprache auf das gleiche
Problem stoßen würde, bin ich dennoch dem damaligen schlechten aber gutwilligen
Pädagogen dankbar, weil er mir zugleich einbleute, daß Konventionen genauso wie
die Art ihrer Geltung und Vermittlung eine problematische Sache ist, daß
nämlich Wahrheit und Richtigkeit genauso wie die Form ihrer Darstellung bis
heute ganz praktisch noch immer wie ein Vorgang vermittelt wird, sich wie
andere zu unterwerfen. Mit einer Zensur ist solches gar nicht anders, sondern
schlimmer und folgenschwerer, was jene Ohrfeigen mir ersparen sollten, nämlich
ebenfalls Demonstration von Macht und Unterwerfung, was dann ja nicht nur bezüglich
der Formen gilt, sondern notabene auch bezüglich all dessen, was mit ihnen
formuliert wird, und wobei Unklarheit bei dem Schüler nicht nur dazu führt, daß
er dafür lebenslang bestraft wird, eine niedere Arbeit zu tun, sondern wodurch
er absurder Weise dann von weiterem Lernen und Verstehen und von einer weiteren
Entwicklung abgeschnitten wird, was vernünftiger Weise ja eher ganz umgekehrt
sein müßte.
Sicher und eben ungewollt wurde mir also neben
dem mißlungenen Versuch, mir die richtige Schreibweise eines Wortes
beizubringen, mißlungen weil mit falscher und untauglicher Methode, etwas ganz
anderes mitgeteilt, daß nämlich die Konvention sowohl mit Macht und Gewalt und
Grausamkeit wie auch mit Dummheit und Unwissenheit einhergeht, und dieses trotz
der allerbesten Absicht, die wohl niemand der Schule absprechen möchte.
Was in Bezug auf die Schreibweise des einen
Wortes „gesamt" als mein Problem nun wie eine Bagatelle erscheinen könnte,
die ein normaler Schüler ja problemlos bewältigt - in meinem Fall hatte sich
wahrscheinlich die falsche Schreibweise aus der Ableitung des Wortes
„gesamt" von den Worten „sammeln" und „Versammlung" gebildet, -
rückt allgemein jedoch gerade heute in den Fokus neuer Bedeutung und
Aktualität, und zwar deswegen, weil heute alle unterschiedlichen Sprachen,
Konventionen, Kulturen und Religionen der Welt - und nicht mehr nur einige
wenige der gleichen Frage gegenüberstehen, welche Rolle die Konvention
überhaupt und insbesondere nun in der mondial gemeinsamen Bildung unserer Welt
spielt, ob sich, wie von mir etwas karikaturhaft beschrieben, einige wenige
Arten von Dummheit und Gewalt z.B. in Form der englischen, spanischen,
chinesischen und russischen Sprache derart durchsetzen werden oder sich
durchsetzen wollen, und alle anderen Sprachen und Kulturen die Verlierer sind
und kulturell gesehen Prügel beziehen, wie ich mit meiner falschen oder
unsicheren Schreibweise, was zumindest eine vernünftige Einstellung zu solcher
Entwicklung oder überhaupt sogar eine vernünftige Entwicklung erschweren würde.
Denn keinesfalls kann ja das Argument der
Notwendigkeit oder Unvermeidlichkeit z.B. die Dummheit meines schlechten
Pädagogen rechtfertigen, besonders, wenn es heute die Möglichkeit des besseren
Verstehens gibt, wie ich sie hier versuche. Ich weiß nicht, ob hier
„Sieger" oder „Besiegte" mehr Vernunft benötigen, was aber
beiderseits bereits ein schlechtes und dummes Vorzeichen ist.
Dennoch lehren wir in unseren kulturellen Nestern
weiterhin blindwegs nach Vorstellungen einer Zeit, deren Enge und gedankliche
Zwangsjacke wir teils bereits seit 5000 Jahren zu überwinden versuchen, und was
spätestens seit den französischen Enzyklopädisten auch in der jüngsten
Zivilisation, bei den Europäern, sogar ein Bildungsideal und Ziel ist, wenn die
Problematik auch noch nicht verstanden wurde, wobei die Prügelnden und Dummen
ja eben nicht diejenigen sind, die die kulturelle Globalisierung betreiben, was
eben nicht Gleichmacherei und Vernichtung aller Sprachen bedeutet, wie wir noch
sehen werden, sondern diejenigen, die ein Verstehen der Problematik, die es nun
mal in jeder Sprache, Kultur und Religion gibt, weder haben noch haben wollen
und dabei vor Krieg und Völkermord nicht zurückschrecken, wie es der serbische
Provinzler Milosowitsch dem deutschen und österreichischen Provinzler Hitler
nachmachte.
Vor einer gemeinsamen Sprache, die sich aus
technischen Gründen aber längst mit der Englischen abzeichnet, und was nicht
das Ende aller anderen Sprachen bedeutet, sollte natürlich besser ein
gemeinsames Verständnis der Sprache, der Kultur, der Religion und Bildung
stehen, was ich hier versuche. Nur wo sich prügelnde Dummheit und Gewalt mit
der Bildung und Kultur verbindet, wird man auch solcher Sprache und Kultur als
Zwangsjacke entfliehen, wie es die deutschen Intellektuellen im vergangenen
Krieg tun mußten.
Und solche Zwangsjacke braucht keineswegs
offensichtlicher Faschismus zu sein.
Aber es wäre hier angebracht, würde aber zu weit
führen, den letzten Weltkrieg auf das europäische Bildungssystem und die damit
hervorgebrachte allgemeine Bildung zurückzuführen, die solche Idiotie
ermöglichte.
Denn was sich bei mir in jenem Beispiel mit und
neben dem normalen Lehrstoff, daß man also „gesamt" mit nur einem M
schreibt, mit jener Prügel vermittelte und die eigentliche Einsicht
verhinderte, geschieht ja unterschwellig auch allgemein und gerade auch da, wo
der „kluge" Schüler sich normaler Weise rechtzeitig anpaßt und unterwirft
und zeigte mir damit den dezisionistischen Aspekt, den alles Schulwissen und
unser ganzen Bildungs- und Gesellschaftssystem eben systematisch und sicher
unbeabsichtigt durch die Schule und Universität latent und potentiell erhält,
so nützlich und brauchbar alles gelernte Wissen für Beruf und Leben auch sein
mag, das der Schüler und Student dann oft eher trotz als durch unser
Bildungssystem erhält. Und hierbei sehen wir denn auch nicht nur den Schüler
und die Schülerin ganz konkret als Untertan in ihrer Zwangsjacke, sondern Kultur
und Bildung samt allen Inhalten unter ein fragwürdiges Vorzeichen gesetzt.
Aber mit der Einsicht, daß offene und nicht
anders versteckte Gewalt ein pädagisch untaugliches Mittel und reine Dummheit
und eher menschenunwürdige Dressur als Erziehung, und jedenfalls eine falsche
anachronistische Dressur als Erziehung ist, ist das Phänomen der Konvention
noch nicht verstanden und das Problem auch noch nicht gelöst.
Denn jene Dummheit ist Provinz, und fortlaufen
will und soll der Mensch einem derart menschenunwürdigen Provinzialismus, was
nun aber nicht geht, weil man der Welt nicht davonlaufen kann; und was ja auch
nicht bedeuten kann, die Konventionen aufgeben zu wollen, sondern sie als das
zu lehren, zu lernen und zu benutzen, was sie ursprünglich sind, nämlich
Konventionen, die eigentlich als Gemeinsamkeit von Menschen eine wunderbare
Sache und ein natürliches und gesundes Bedürfnis sind, wozu schließlich nicht
nur die regionale Sprache, unsere jeweilige Kultur, Lieder und die jeweiligen
Tänze, Gewohnheiten und Benehmen sondern auch die hochinteressante Wissenschaft
samt Mathematik und Physik gehören, die nun mal allen Menschen der Welt
gemeinsam gehören und nun doch logischer Weise aus der provinziellen Ecke und
Enge vorheriger Jahrhunderte herausgeholt werden sollten, als daß wir ihnen
davonlaufen und uns vor ihnen verstecken, wie es einige Mullahs in den
arabischen Ländern und bestimmte christliche Sekten versuchen.
Was an dem vorigen, eher privaten Beispiel
mißglückter Pädagogik vielleicht überzogen ausgewertet erscheinen könnte, soll
das folgende Beispiel der allgemeinen Situation etwas plausibler das
Bildungssystem in der problematischen gesellschaftlichen und sogar
weltpolitischen Relevanz deutlich machen.
Vorweg möchte ich aber darauf aufmerksam machen,
daß nicht die Lösungen der Problematik als etwas Spektakuläres erscheinen, was
man dann mit weltpolitischer Relevanz umschreiben muß, denn diese Lösungen, wie
die Vorschläge von Rudolf Scharping, erscheinen eher als selbstverständlich,
sowohl bereits für heute wie erst recht für die Zukunft. Weltpolitisch
spektakulär stoßen vielmehr die anachronistischen, eben weltfremden Mißstände
auf, weil sie zu Problemen werden oder solche sind. Konventionen z.B. als
Konventionen und als ganz normale Bedürfnisse des Menschen zu bejahen, sich
z.B. auf eine Schreibweise zu einigen, ist ja selbstverständlich, während
dagegen der Versuch, Konventionen als Dogmen und Wahrheiten und
Alleingültigkeiten zu interpretieren, zu handhaben oder zu behaupten, immer
zugleich - und zwar ganz unverstandener Weise - auch Ungültigkeit für anderes
interpretiert, handhabt und behauptet und damit Konvention nicht als
Gemeinsamkeit sondern als Konflikt herausstellt. Am vorigen Beispiel konnte
deutlich werden, daß es eben schwierig und für manche Ausländer geradezu
unmöglich ist, auch wenn sie bereits 40 Jahre in deutscher Umgebung leben, die
deutsche Aussprache der Umgebung zu akzeptieren und anzunehmen, wenn sich damit
die Verneinung ihrer eigenen Sprache bzw. das Erlebnis der Verneinung ihrer
eigenen Sprache und das Erlebnis der Dogmatisierung der deutschen Sprache - „so
heißt das!" verbindet. Dieses ist natürlich auch lernpsychologisch ein
Problem, das man pädagogisch lösen muß; aber es ist grundsätzlich ein
philosophisches, theologisches, ethisches und damit auch ein soziales Problem:
Gegenseitige Vorbehalte verstärken sich. Hier steht immer der eigene
Provinzialismus im Wege. Und genau in diesem Zusammenhang möchte ich hier als
Christ den Vergleich mit den ersten Bildungssystemen der Menschheit ziehen: Wo
immer eine Religion oder Konfession den Zugang zu unserem gemeinsamen Gott
herstellt oder auch darstellt, ist sie gut und stellt so auch das normale
Verhältnis zum Mitmenschen her; und wo sich eine Religion oder Konfession als
Trennung oder Mauer zwischen unserem gemeinsamen Gott und uns Menschen schiebt,
trennt sie immer auch Menschen voneinander, wobei Dogmen ja nichts erreichen
und betreffen könnten, was die Eigenschaften Gottes betrifft, er ist und bleibt
sich selbst gleich, sondern es immer nur das menschliche der Religionen und
Konfessionen und ihrer Dogmen, das so spektakulär und problematisch ist.
Nun will und kann ebenso das Geniale der
Scharpingschen Lösung auch keineswegs sensationell und spektakulär sein, - aber
natürlich auch nicht göttlich, - denn es ist nur ein Schritt aus dem
Verhängnisvollen heraus, das uns folgendermaßen deutlich wird:
Wenn ein Pädagoge, ein Lehrer, Professor,
Pädagoge oder die Pädagogin den Hörsaal, die Klasse u.s.w. betritt, dann muß er
oder sie zuerst eine natürliche und normale Sozialordnung, wie sie unter
Kindern und Studenten in dem entsprechenden Alter besteht, beenden und die
künstliche Schulordnung einführen, bevor er oder sie mit dem Unterricht oder
Vortrag beginnen kann. Und noch weit vor dieser Situation gibt es die
Schulpflicht, die weitgehend gleichfalls künstlich und als Fremdbestimmung die
Struktur von Familie und Gesellschaft und das Leben jedes Einzelnen bestimmt.
Aber nicht dieser Umstand selbst ist es, was hier als problematische Zwangsjacke
anachronistisch genannt wird und überwunden werden muß, denn Lernen ist eines
der stärksten natürlichen Bedürfnisse des Menschen, und es gehört ebenso zu den
hervorragenden Eigenschaften und Bedürfnissen des Menschen, gemeinsam mit
anderen einen Vortrag oder ein Ereignis zu verfolgen oder gemeinsam zu
veranstalten, sondern das zu verdeutlichende Problem ist, daß immer, wie wir
auch die äußeren Formen von Staat, Beruf und Bildung nach dem jeweiligen Stand
menschlicher Vernunft gestalten, die Formen mit der Entwicklung menschlicher
Vernunft veralten und zur Zwangsjacke werden, wenn sie sich gegen die bessere
Vernunft und zur reinen Selbstfrechtfertigung und zum Selbsterhalt gegen eine
Entwicklung stellen, wobei institutionalisierte Form immer sowohl die Form des
Gelehrten wie des Lehren, Lernens und Handelns umfaßt, und in solchem Fall der
Entfremdung die Form vor oder über den jeweiligen Inhalt stellt, wie ich es
hier vereinfacht mal so sage, wobei sich die Form quasi versachlicht oder
verselbständigt und man z.B. statt zu einem Menschen zu einer Uniform spricht
oder wie im Krieg statt einen Menschen einen Soldaten tötet, und umgekehrt eine
Aussage dadurch wahr wird, daß ihr Sprecher die jeweils entsprechenden
Kompetenzinsignien besitzt, wobei in unserer Gegenwart durch die Ignorierung
des Menschlichen hinter der jeweiligen menschlichen Rolle wegen solcher
Objektivierung z.B. in der Schule und Universität genau das normale menschliche
Bedürfnis zu lernen und die edelste menschliche Begabung der friedlichen Gemeinsamkeit
durch die Rechtfertigung und Anwendung institutioneller und struktureller Macht
verhindert wird und durch Pflicht, Befehl, Erpressung, Beleidigung,
Unterwerfung, Selbstaufgabe, Opportunismus u.s.w. verkrüppelt und diskriminiert
wird, so daß gerade die Versager jede Lust zu lernen verlieren und mit
Schrecken und Scham an ihre Schulzeit zurückdenken, wobei jene Schulperformace
nichts anderes ist als Dogmatismus und was sich weitgehend sicher ganz
ungewollt, meist aber wohl ganz unbemerkt und unbekümmert von der Institution
auch auf die Inhalte überträgt, weil die Prüfung der Inhalte letztendlich über
das Schicksal der Absolventen entscheidet, wobei man nur innerhalb einer
Inquisition Karriere macht oder nicht. Es ist dabei in der Tat so, aber nicht
nur, daß meine Zustimmung auch dann, wenn mir der Beweis der Wahrheit z.B. in
der Mathematik mitgeliefert wird, letztendlich aber erpreßt wird, sondern
schlimmer noch als Erpressung ist die mitgelieferte Erfahrung, die noch weit
heimtückischer in der Lehre hineingelangt und mit dem Lehrstoff transportiert
wird, daß nämlich nicht anders als zur Zeit von Inquisition und Absolutismus
Macht zugleich Wahrheitsanspruch bedeutet, wie daß dann auch umgekehrt bei der
derart verunstalteten Wahrheit solche verbrieften Wahrheitsgeständnisse in
Zeugnissen, Examen, Promotionen und Habilitationen bedeutet, daß derartige
„Wahrheit" dann auch Macht bedeutet und Rechte, Ansehen, Privilegien und
Wohlstand. Ganz abgesehen davon, daß man derart dann auch die Unwahrheit zur Wahrheit
machen kann, was ebenfalls durchgängig geschah und geschieht, bekommen ja auch
unstrittige Aussagen wie der sehr brauchbare Lehrsatz des Pythagoras oder die
Einsteinsche Formel E=mc² eine verhängnisvolle Dogmatik. Und mag dieses Problem
auch noch relativ leicht einsehbar sein, wird es noch schwieriger, wenn wir den
Umstand, daß für viele Kinder und Studenten genau deswegen der Lehrstoff nicht
mehr glaubhaft und zugänglich ist, daß den Schülern dadurch das natürliche
Bedürfnis zu lernen regelrecht ausgetrieben und zerstört wird, daß sie meist in
der Schulzeit als Grunderfahrung des Lebens die schlimmsten Beleidigungen,
Erniedrigungen und Bevormundungen des Lebens überhaupt erfuhren, und zwar nicht
nur, wenn sie sich widersetzten und wenn sich deren Gehirn weigerte, solchen
Unsinn - wieso kann jemand aufgrund eines Examens oder Amtes recht haben? -
aufzunehmen, wobei der Unsinn ja nicht darin besteht, daß a²+b² innerhalb
normaler Mathematik nicht = c² wäre, sondern, daß dieses akzeptiert
werden muß, um eine entsprechende Benotung zu bekommen, und eben nicht nur bei
denjenigen Schülern und Studenten, die dann auch an diesem Unsinn und nicht an
der Mathematik scheiterten und dafür bestraft werden, sondern gerade bei den
Erfolgreichen, die für die Prüfung pauken, die lebensklug diese Tortur
durchstehen, sich rechtzeitig bücken, sich durchdienen, um dann selbst Macht,
Geld, Privilegien, Freiheit und Wahrheitskompetenz unter dem gleichen
Vorzeichen zu erlangen und unter dem gleichen gewissermaßen aristokratischen
oder absolutistischen Vorzeichen anzuwenden. Und geprüft wird inzwischen längst
die Bereitschaft und Fähigkeit, unter diesen Voraussetzungen einen Lehrstoff zu
akzeptieren, zu lernen und zu wiederholen und zumindest bis zur Prüfung auch zu
behalten.
Resümee.
Reformen
sind notwendig, wo sich Situation und Allgemeinheit entwickelt haben, wo sie
aus den alten Kleidern entwachsen sind, und dieses ist immer ein gutes Zeichen.
Die deutlichen Zeichen solcher Situation von
Reformnotwendigkeit sind einerseits das lächerlich und unglaubwürdig gewordene
Pathos hergebrachter Werte- und Berufsphysiognomie, und ist andererseits immer
das verkrampfte und stärkere Suchen nach und deswegen Festhalten und Beschwören
von Kompetenzinsignien wegen des steigenden Kompetenzbedarfs.
Der gute Norbert Elias beschrieb am Anfang und
wohl angesichts der ausbrechenden weltanschaulichen Katastrophen des vorigen
Jahrhunderts ohne meinen Optimismus einer positiven Entwicklung, den „Prozess
der Zivilisation" mehr als eine Orientierung von Unten nach Oben, wobei er
aber den eigentlichen Motor und die eigentliche Schwierigkeit dieser langsamen
Entwicklung nicht mehr thematisieren konnte und vielleicht auch nicht gesehen
hat, daß nämlich in der Entwicklung der Menschheit, eben durch ihr mondiales
Zusammenwachsen, neben allen jeweiligen aktuellen Interessen und
Notwendigkeiten der Organisation des jeweiligen Alltags und der jeweiligen Mode
nicht nur ein tiefes Bedürfnis nach Wahrheit, Redlichkeit und Wahrhaftigkeit
wirksam war und ist, sondern daß solche Entwicklung auch geradezu zwangsläufig
unser Schicksal ist, wenn wir dabei menschlich bleiben wollen. Gerold Prauss
stellt in seinem 2. Band „Die Welt und wir" (Unsere empiristische
Verfallenheit an Dinge) zurecht fest, daß mit der Entwicklung über die
griechische Philosophie und die moderne Aufklärung durch die neue Objektivität
von Wissenschaftlichkeit nur ein äußerer Aspekt des Irrtums und Unsinns von
Animismus und Aberglaube überwunden wurde, wodurch sich ein anderer tief in uns
verwurzelter Unsinn von Animismus geradezu einkapselt und verteidigt, der sich
aber dennoch im Laufe der vergangenen 3 Jahrhunderte seit Descartes und seit 2
1/2 Jahrtausende seit Aristoteles und Plato wegen seiner Widersprüchlichkeit
geradezu zwangsläufig entlarvt, und sei es durch physikalische Experimente, -
wie es auch bereits Kant noch grundsätzlicher formulierte.
Ich wünsche daher, daß der kritische Leser sich
mit dieser Antinomie hauptsächlich beschäftige, weil die Natur selbst sie
aufgestellt zu·haben scheint, um die Vernunft in ihren dreisten Anmaßungen
stutzig zu machen, und zur Selbstprüfung zu nötigen.
Nun
sind in der Tat Menschen so, und es sind wohl noch die meisten, die sich unter
absolutistischen Verhältnissen, also in der Zwangsjacke, häuslich einrichten
und sich dann durchaus wohl fühlen, wo man weiß, was Oben und Unten ist, und wo
man selbst mit anderen sowohl Platz, Stellung wie Gemeinsamkeit hat, heute
besonders, wo doch, wie in Amerika Sprichwort, jeder Tellerwäscher die Chance
hat, Präsident zu werden und soweit nach oben zu kommen, wie er will und kann,
seit die Adelsprivilegien abgeschafft jedem zumindest theoretisch die gleiche
Chance einräumt.
Und in der Tat waren die Menschen zur Zeit der
Inquisition, die wir heute zurecht als extremes Beispiel solcher
Reformbedürftigkeit weil besonders verwerflich darstellen, vielleicht noch
zufriedener als wir es selber heute sind, als damals jede Hexenverbrennung noch
ein großes Fest und Ereignis und ein Erlebnis von vollzogener Gerechtigkeit
war, zu dem alle hinströmten, was auch für das Leben unter Kaiser und König
gelten mag, dem in Europa viele nachtrauern.
Und es wird noch viel an begrifflicher
Präzisierung und entsprechender Selbsterkenntnis des Menschen benötigen, die
Entwicklung von jenen alten verrohten Bräuchen und Traditionen zu heutigen
Maßstäben zu verstehen, die wir dennoch nicht einfach auch für die Zukunft
anlegen oder festlegen können, ohne uns bereits vor den Enkeln schämen zu
müssen, ohne überhaupt den oben beschriebenen quasi austauschbaren Zusammenhang
von Form und Inhalt in unserem Denken und Handeln zu kennen, wie es sich z.B.
aus der Mischung von aktueller Berufs- und uralter, eher mentaler Wertestruktur
ergibt, in der ein jeder ja auch irgendwie zurechtkommt oder sich durchmogelt,
wie in der komplizierten Grammatik seiner jeweiligen Sprache, wo ein Polizist,
Soldat, ein Arzt oder Priester, eine Krankenschwester durch das scheinbar rein
Formale einer Uniform - wie nicht anders der Handwerker, Meister, Schullehrer
oder Professor und jeder Amtsinhaber sonstwo durch das Formale von Zeugnissen
oder Vertrag durchaus ja auch Selbstsicherheit und Selbstvertrauen und damit
auch eine bestimmte Dimension von Kompetenz bekommt aber zugleich auch Zutrauen
und Vertrauen durch andere erhält und zugleich in jenen anderen erzeugt und
damit bereits einen Teil dessen darstellt, was wir heute mit Sozialisation und
Teil jeder Kultur umschreiben was aber neben der Bedeutung von
erkennbares
Zeichen bestimmter Qualifikation,
Erlaubnis zu bestimmten Handlungen,
Pflicht zu bestimmten Handlungen
Berechtigung zu bestimmten Befehlen,
Berechtigung zu bestimmten Verboten,
Entscheidungsberechtigung über andere Menschen,
auch
Lust,
Antrieb,
Motivation,
Verantwortung,
Glaube,
Wert
bedeutet,
jedoch zugleich auch
Institution,
Einsetzbarkeit,
Aussetzbarkeit,
Ersetzbarkeit,
Instrumentalisierbarkeit,
Automatismus,
Sache,
Hebel,
Kaufbarkeit
Bestechlichkeit,
Eigendynamik
Blinheit, u.s.w.
darstellt,
was mit der Sozialisation auch Teil der Kultur ist.
Im Zusammenhang mit unserem Bildungssystem, das
dem ursprünglichen, natürlichen Erziehungssystem entstammt, als man den Kindern
vor dem Eintritt ins Erwachsenenleben und vor dem Verlassensein von Eltern
neben Sprache und Bräuche nützliche Lehren und Weisheiten mit auf den Weg gab,
wie wir sie in Bibel und Koran noch wiederfinden, die sich teils auf das
Zurechtkommen mit jeweils bestehenden Verhältnissen von bestehenden Menschen
beschränken und bei den Propheten auch auf eine Veränderung der Verhältnisse
hinwirken, wäre jetzt hier eine Gesellschaftsanalyse und Bestandsaufnahme von
Gegenwart und Entwicklung angebracht, was neben vielen anderen aus Literatur
und Philosophie, wie schon gesagt, zum Teil Norbert Elias geleistet hat
und was die ganze Wissenschaft der Soziologie und Psychologie mit einer
unübersehbaren Flut von Details und Statistiken hervorbringt. Ich kann nur
andeuten, was davon allgemein bekannt wird.
So weiß man z.B., daß bestimmte Anlagen zu einem
differenzierteren Denkvermögen bereits in den ersten Lebensmonaten als
Kleinkind erweckt oder abgestumpft werden, was als Konsequenz ja heißt, daß
Menschen in der Grundschule bereits lernen müssen, mit Babys richtig umzugehen,
um den Teufelskreis einer falschen und milieuabhängigen Konditionierung zu
durchbrechen, was wohl ebenso wichtig wäre wie die Schulpflicht. Man weiß, wie
ich oben schilderte, daß man allein durch die Weise des Gültigkeitsanspruches
des Lehrstoffs die Lernbereitschaft von Kindern und Erwachsenen sowohl wecken
wie abtöten kann.
Entsprechend sind die Signale für dringenden
Reformbedarf unserer Zeit zusammengefaßt auch allgemein und gelten zum einen
international und sind zum anderen von internationaler d.h. weltpolitischer
Relevanz auch jeweiliger Region zu Allgemeinheit.
1. Zu großer und steigender Zeitaufwand,
2. Zu große und steigende Kosten,
3. Zu geringe und sinkende Effizienz,
4. Zum Teil veraltete Berufsbilder,
5. Die zu große Beschränkung der Vergabe
von Berufsinsignien auf die erste Schulzeit,
6. Die Vernachlässigung der Weiterbildung
nach Berufseintritt,
7. Bildungsstufen als
Bildungsbarrieren
zurück zum Anfang,andere
Themen, mailto:
Friedhelm-Schulz.Mail-Art@t-online.de?subject=Bildung
Derart
entlarvt sich auch der in unserem Bildungssystem verkappte Unsinn ganz
praktisch mehr durch seine Ineffizienz und zugleich überhöhte Kosten als durch
Einsicht, daß nämlich keineswegs nur den wertloseren Menschen nach 12 Jahren
Deutschunterricht mit Erniedrigung, Langeweile, Strafe und Beleidigungen eher
die Zeit gestohlen wurde, als daß sie anschließend einen vernünftigen Brief
schreiben könnten, von Literatur, Mathematik, Physik - geschweige von der
Philosophie begeistert statt abgestoßen wären, was ja wohl der Normalfall ist,
und als daß hier in Deutschland lebende Ausländer auch nach 40 Jahren kein
vernünftiges Deutsch sprechen, in allen anderen Fächern ebenfalls ungenügend
gebildet sind und kaum eine vernünftige Berufschance haben, was einer
Verkrüppelung gleichkommt.
Ich kann annehmen, daß unserem
Verteidigungsminister meine obige Analyse der Misere vertraut ist, denn sie ist
seit hundert Jahren in allen guten Büchern der Lernpsychologie nachzulesen.
Unser Gehirn sträubt sich gegen Informationen, die mit einem unberechtigten und
unglaubwürdigen Pathos und Wahrheitsanspruch aufoktroyiert werden.
Dennoch sind es wohl nicht diese Einsichten,
sondern reine Kosten- und Effizienzgründe, die zu seiner genialen Reformidee
führten, und die ein Entwachsen aus unserem provinziellen Bildungssystem
hoffentlich auch allgemein einleiten, nämlich das reine Lehren von Fakten, das
Instruieren und prüfen Fachleuten zu überlassen, die nicht in und an dem
Teufelskreis der Bildungsaristokratie hängen und gebunden sind, sondern die
ganz sachlich benutzbare und abrufbare Informationen, Instruktionen und
Fertigkeiten als das weitergeben, was sie sind, nämlich Informationen und noch
nicht aristokratische Standesinsignien, und zwar schneller und ohne die Tortur
und Zeit- wie Geldverschwendung traditioneller Bildungsmonster, so gutwillig
und beflissen sich jene auch anstrengen mögen, was sich mit Hilfe von
Lernsoftware und interaktiven Lern- und Übungsinstrumenten bei der Ausbildung
z.B. zur Luftfahrt und zum Führerschein ja auch schon längst bewährt hat, wobei
der Lernende selbst die Lerngeschwindigkeit und die individuell günstigste
Lernweise bestimmen und das Ergebnis jederzeit korrigieren und überprüfen kann.
So wird denn vermutlich auch bald die Einsicht
dazukommen, daß nicht nur das Lernen ein natürliches Bedürfnis des Kindes und
des Menschen ist, das zu zerstören nicht nur schädlich und kontraproduktiv für
Staat und Gesellschaft und geradezu inhuman und ein Verbrechen gegen den
Menschen ist, sondern daß auch das Lehren selbst ein natürliches allgemeines
Bedürfnis des Menschen, und daß Lehren die beste Schule auch für den Lehrenden
wie für den damit auch weiter Lernenden ist.
Dennoch sei der Einwand gewürdigt, daß es in der
Bildung nicht nur um Weitergabe von Informationen und Fertigkeiten wie Lesen,
Schreiben und Rechnen und wissenschaftliches Forschen gehe, sondern, wie es das
deutsche Wort Bildung beinhaltet, auch um eine Formung des Charakters, des
Kulturbewußtseins, des Zivilisiertseins und des ethischen Bewußtseins. Die
Frage, ob Pädagogen und Theologen tatsächlich optimal auch Weisheit zu
vermitteln und Charakter zu formen in der Lage sind, was man ja nun mal weder
studieren noch als Programm gegen Sold ableisten kann, zumal von Pädagogen, die
diese künstliche Welt der Schule und Universität nie verlassen haben, und die
nach Stand besoldet ganz in jenem Teufelskreis verhaftet sind, bleibt zu
bezweifeln.
Selbst erlebt habe ich Weisheit noch bei keinem
Lehrer meiner Zeit.
Dennoch würde gerade ein effektiveres,
schnelleres Lernen von reinen Fakten, Formeln und Fertigkeiten, das durch
Fachleute vorgenommen würde, nicht nur Raum schaffen für allgemeine Bildung,
die heute ja zu kurz kommt, sondern vielleicht auch Bedürfnis und Bereitschaft
dazu wieder wachsen lassen, was heute durch Zeit- und Leistungsdruck und
Benotungsweise geradezu abgewürgt und regelrecht bestraft oder vernachlässigt
wird.
©
Friedhelm Schulz, Mai 2000
zurück zum Anfang, andere Themen, mailto:
Friedhelm-Schulz.Mail-Art@t-online.de?subject=Bildung